📋 Historischer Überblick
"Onkel, erschieß uns nicht!" – Die letzten Worte eines 6-jährigen Mädchens— Augenzeugenbericht, Neue Freie Presse 1913
Am 20. Juni 1913 erschütterte ein ungeheuerliches Verbrechen die Hansestadt Bremen. Heinz Schmidt, ein 29-jähriger arbeitsloser Lehrer, betrat die katholische St.-Marien-Schule im Stadtteil Walle und eröffnete das Feuer auf wehrlose Kinder. Innerhalb weniger Minuten verwandelte er sich vom Besucher zum Mörder – fünf Mädchen im Alter von nur 6–8 Jahren starben, mindestens 23 weitere Personen wurden verletzt.
⏱️ Der Ablauf des Verbrechens
Schmidt betritt die St.-Marien-Schule ohne berechtigten Grund. Er trägt eine Aktentasche mit 6–10 Handfeuerwaffen und über 100 Patronen.
Konfrontation mit Lehrerin Marie Pohl. Schmidt wird von ihr im Flur angesprochen. Ohne Antwort feuert er einen Schuss – knapp an ihrem Kopf vorbei. Pohl flieht in ein Klassenzimmer.
Einbruch in Klasse 8b. 65 Mädchen im Alter von 6–8 Jahren sind im Unterricht. Schmidt beginnt wahllos zu schießen. Ein Mädchen fleht: "Onkel, erschieß uns nicht!"
Flur-Chaos. Schmidt feuert auf 36 Mädchen im Flur. Er wirft leergefeuerte Waffen weg, holt neue aus der Tasche. Der Hausmeister erhält einen Schuss durch den Kiefer.
Schulhof. Schmidt positioniert sich am Fenster und feuert auf fliehende Jungen. Fünf werden getroffen, keiner tödlich.
Festnahme. Lehrer Hubert Möllmann (zweimal verletzt) und Schulpersonal überwältigen Schmidt. Er wird gefasst – niemals sollte er vor Gericht stehen.
👤 Der Täter: Heinz Schmidt
Biografische Daten
Vollständiger Name: Heinz Jacob Friedrich Ernst Schmidt
Alter: 29–30 Jahre
Herkunft: Sülze (Mecklenburg-Schwerin)
Wohnsituation: Seit Dez. 1912 in Bremen
Psychischer Zustand
Diagnose: Geistig verwirrt, paranoid
Wahnideen: Beschuldigung der Jesuiten
Letzter Brief: "Die Jesuiten haben das getan"
Auslöser: Tod des Vaters kurz vorher
Schicksal
Rechtliche Folge: Nie vor Gericht
Unterbringung: Direkte Anstaltseinweisung
Versterben: 1932 in der Anstalt
Lebensdauer nach Tat: 19 Jahre
💀 Die Opfer
In der Tabelle unten sind die dokumentierten Opfer des Amoklaufs zusammengefasst. Die Namen der meisten Kinder wurden historisch nicht vollständig überliefert.
| Rolle | Name | Alter | Schicksal | Bemerkung |
|---|---|---|---|---|
| Mädchen (Schülerin) | [Name unbekannt] | 6–8 Jahre | Tödlich verletzt | Eines der ersten Opfer |
| Mädchen (Schülerin) | [Name unbekannt] | 6–8 Jahre | Tödlich verletzt | Klasse 8b |
| Mädchen (Schülerin) | [Name unbekannt] | 6–8 Jahre | Tödlich verletzt | "Onkel, erschieß uns nicht!" |
| Mädchen (Schülerin) | [Name unbekannt] | 6–8 Jahre | Tödlich verletzt | - |
| Mädchen (Schülerin) | [Name unbekannt] | 6–8 Jahre | Tödlich verletzt | - |
| Lehrerin | Marie Pohl | - | Überlebte | Schuss knapp am Kopf vorbeigefeuert |
| Lehrer | Hubert Möllmann | - | Überlebte | Zweimal getroffen |
| Hausmeister | [Name unbekannt] | - | Überlebte | Schuss durch Kiefer |
| Jungen (Schüler) | 5 Personen | 6–10 Jahre | Verletzt | Am Schulhof getroffen |
| Mädchen (Schülerinnen) | ~15–17 Personen | 6–8 Jahre | Verletzt | Flur & Klasse 8b |
🕊️ Gedenkorte & Erinnerungsorte
Heute existieren mehrere Orte, die an die Tragödie erinnern. Hier sind die wichtigsten:
Bedeutung: Hier wurden die fünf ermordeten Mädchen bestattet. Bis heute ist dies der zentrale Erinnerungsort für Angehörige und lokale Geschichtsinteressierte.
Status heute: Öffentlicher Friedhof, frei zugänglich
Bedeutung: In dieser Einrichtung wurden die Leichen der Opfer seziert und forensisch untersucht. Der Ort ist heute Teil der Universität Bremen.
Status heute: Historisches Gebäude, teilweise noch im Nutzung
Bedeutung: Die Pfarrkirche der katholischen Gemeinde, zu der auch die St.-Marien-Schule gehörte. Heute gibt es ein Gedenkbuch für die Opfer.
Status heute: Aktive Kirche, regelmäßige Gedenkgottesdienste
Bedeutung: Das ursprüngliche Schulgebäude wurde später umgebaut und dient heute anderen Zwecken. Eine kleine Gedenktafel erinnert an die Ereignisse.
Status heute: Privates Gebäude, nicht öffentlich zugänglich
🗺️ Standort-Übersicht
Alle Gedenkorte liegen im Westen Bremens. Klicke auf die Buttons, um sie in deiner Karten-App zu öffnen:
📍 Waller Friedhof
Adresse: Hauffstraße, 28217 Bremen
Öffnungszeiten: Täglich 8–18 Uhr
📍 Alte Pathologie
Adresse: Lehrer-Wagner-Straße 8, 28359 Bremen
Status: Universität Bremen (nicht öffentlich)
📍 St. Marien Kirche
Adresse: Am Dobben, 28203 Bremen
Gottesdienste: Sa 17:30, So 10:00 Uhr
📍 St.-Magnus-Straße (ehemalige Schule)
Bereich: Hauffstraße/St.-Magnus-Straße, 28217 Bremen
Status: Privates Gebäude
📚 Primärquellen & Zeitdokumente
Die folgenden historischen Dokumente liefern direkte Einblicke in die Zeitgenössische Berichterstattung und Gerichtsakten.
-
Die Neue Freie Presse (Wien) – 24. Juni 1913
Titel: "Die Mordtaten eines Irrsinnigen in einer Bremer Mädchenschule"
Umfang: 3 Seiten ausführliche Berichterstattung
→ ANNO-Archiv lesen -
Vorarlberger Volksblatt – 22. Juni 1913
Titel: "Furchtbares Attentat in der Schule"
Umfang: Seite 5, vollständiger Bericht mit Augenzeugenberichten
→ ANNO-Archiv lesen -
The New York Times – 21. Juni 1913
Titel: "Teacher Kills Five Girls in Bremen School"
Umfang: Englische Erstberichterstattung, international
→ NY Times Archiv -
Prager Tagblatt – 21. Juni 1913
Titel: "Ein schreckliches Verbrechen in Bremen"
Umfang: Detaillierte Schilderung des Tatverlaufs
→ ANNO-Archiv lesen -
Reichspost (Berlin) – 21. Juni 1913
Titel: "Mordattentat in Bremener Schule"
Umfang: Offizielle Polizeiberichte zitiert
→ Bundesarchiv kontaktieren -
St.-Jürgen-Asyl Akten (1913–1932)
Inhalt: Psychiatrie-Akten des Täters, klinische Diagnosen
Zugang: Nur für Forscher, Anfrage notwendig
→ Archiv anfragen -
Spiegel Online – 20. Juni 2013
Titel: "Onkel, erschieß uns nicht!" – 100. Jahrestag
Umfang: Moderne Aufarbeitung mit Interviews
→ Artikel lesen -
Weser-Kurier – 20. Juni 2013
Titel: "Vor 100 Jahren: Der erste Amoklauf an einer deutschen Schule"
Umfang: Lokale Perspektive, Zeitzeugen-Interviews
→ Weser-Kurier Archiv
📖 Weiterführende Informationen
Bücher & Literatur
- René Schlott: "Onkel, erschieß uns nicht!" (Spiegel-Online, 2013)
- Peer Meter & Barbara Yelin: "Gift" – Graphic Novel (2015)
- Michael Kirchschlager: "Kriminalia" – Rechtsgeschichte-Band